Hingabe und stetiges Bemühen

28. April 2022 | Yoga Mythologie & Philosophie
Blaue Shiva Statue mit grünen Bergen im Hintergrund in Rishikesh am Ganges
Shiva rettet die Welt (Foto: © al_la, istockphoto)

Über Hingabe - oder: Wie können wir Unheil von unserer Welt abwenden?

Wenn Du schon lange Yoga übst, weißt Du, wie wichtig es ist, regelmäßig auf die Matte zu gehen. Trotzdem ist es oft schwierig, sich zu motivieren und das innere Feuer am Brennen zu halten, das uns Klarheit und Frieden gibt. Diese schöne Geschichte aus der indischen Mythologie veranschaulicht, wie wichtig Dein unaufhörliches Bemühen ist. Es ist eine Geschichte, die Mut gibt und mich daran erinnert, warum ich mein Yoga übe. 

Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse

Die Geschichte über ,Das Quirlen des Milchozeans‘

In einer dunklen Zeit tobte ein grausamer Kampf zwischen Gut und Böse, Hell und Dunkel, und die Götter und Dämonen bekämpften sich so unerbittlich, dass viele von ihnen erschlagen wurden. Die Götter wurden immer schwächer und erkannten, wie bedrohlich ihre Situation war und so wandten sie sich an den allwissenden Gott Vishnu, den Erhalter der Welt, und suchten seinen Rat.

Vishnu erzählte den Göttern von einem Elixir der Unsterblichkeit, Amrita, und er sagte ihnen, sie könnten diesen Nektar durch das Quirlen des Milchozeans bekommen.

Die Götter waren jedoch bereits zu schwach, diese mühevolle Arbeit zu verrichten und sie benötigten die Hilfe der Dämonen, die stärker waren als sie. Also gingen sie zu den Dämonen und baten sie um ihre Unterstützung. Die Dämonen berieten sich und entschieden untereinander, dass es einfach sein würde, sobald der Nektar der Unsterblichkeit gewonnen wäre, diesen für sie selbst zu stehlen. So vereinbarten sie mit den Göttern, gemeinsam den Ozean zu quirlen.

Die Götter und Dämonen mögen unterschiedliche Motivation gehabt haben, aber sie taten sich zusammen und arbeiteten mit vereinten Kräften daran, ihre Welt zu retten.

Sie benutzten den König der Schlangen, Vasuki, und wanden ihn um den Berg Meru. Die Dämonen wollten den Kopf der Schlange und begannen daran zu ziehen, die Götter nahmen den Schwanz und zogen ihrerseits daran. Diese Tauziehen erzeugte eine so große Kraft, dass der Berg in Bewegung geriet und begann sich zu drehen.

Zunächst drohte der Berg mit seiner Wucht im Meer zu versinken, aber Vishnu verwandelte sich in einen riesenhafte Schildkröte und tauchte bis auf den Grund des Ozeans und unter den Berg, und er hob ihn im Wasser an. So konnten die Götter und Dämonen ihr episches Tauziehen fortsetzen und das Quirlen des Ozeans nahm an Fahrt auf, bis das Meer sprudelte und schäumte und weiß wurde wie Milch.

Nach tausenden Jahren entsteigt der Tiefe des Ozeans ein tödliches Gift

Es dauerte tausende Götterjahre, ohne dass etwas geschah, aber die Götter und Dämonen gaben nicht auf.

Auf einmal erfasste sie eine große Schwäche, denn aus den Fluten stieg ein furchtbares Gift, Halahala, auf und drohte, sie und die gesamte Schöpfung mit einem Schlag zu vernichten. 

Der Gott Shiva kam ihnen zu Hilfe und sammelte das Gift in einer Schale aus einem Totenschädel und trank alles Gift aus. Er behielt es in seiner Kehle, die dadurch blau wurde, aber er blieb selbst unversehrt, und so rettete Shiva die gesamte Schöpfung durch seine Kraft.

Obwohl ihre Bemühungen bisher nur ein tödliches Gift zutage gefördert hatten, quirlten die Götter und Dämonen weiter. Und endlich begann der Ozean wahrhafte Kostbarkeiten preis zu geben: Chandra, der Mond, stieg auf und ließ sich auf Shivas Haupt nieder, das er von nun an schmückte. Airavata, ein kostbarer Elefant, erschien und wurde zum Begleiter des Gottes Indra. Eine Wunschkuh, Kamadhenu, die die Kraft hat, jeden Wunsch zu erfüllen, tauchte auf und wurde den Rishis, den großen Weisen gegeben. Auf einer Lotosblüte, in einen roten Sari gekleidet stieg in himmlischer Schönheit Lakshmi, die Göttin des Wohlstands und Reichtums, auf und Vishnu wurde ihr Gemahl. Varuni, die Göttin des Weines erschien als nächstes und auf sie erhoben die Dämonen Anspruch.

Beinahe alle Kostbarkeiten waren an die Oberfläche gequirlt worden, aber es fehlte immer noch Amrita, der Nektar der Unsterblickeit.

Das Elixir der Unsterblichkeit erscheint

Endlich, endlich, entstieg dem Ozean ein mit Juwelen und Blüten geschmückter Jüngling: Es war der Heilkundige Dhanavantari, der Arzt der Götter und Ursprung aller Heilkunst. Er hielt in seinen Händen ein Gefäß, das den kostbarsten aller Schätze enthielt: das Amrita.

Natürlich gab es nach dem Jubel unter den Göttern und Dämonen einen weiteren Streit um das Elixir, aber das ist eine andere Geschichte. Schließlich bekamen aber doch die Götter den Nektar der Unsterblichkeit und ihre Welt war gerettet.

Monika Schindlbeck in Yoga Haltung sitzend an der Isar
Die Yoga-Übungen helfen den Blick zum Herzen zu richten (© Beate Strohmeier)

Selbst die Götter müssen dafür arbeiten, ihre Welt zu retten

Die Bewältigung von schwierigen Situationen benötigt immer Hitze und Vertrauen in die eigene Kraft. Auch wenn wir nicht wissen könnenob unsere Bemühungen Früchte tragen werden, so ist doch diese Kraft die größte. Den Nektar der Unsterblichkeit, Amrita, tragen wir in Wirklichkeit im Herzen: Er besteht im Frieden mit der Welt, mit der Schöpfung, so wie sie ist.

Die Alchemie und Heilung, die Frieden bringt, besteht darin, Dinge zu tun, die ich tun kann, Tag für Tag, um meine Welt friedlich zu machen, auch wenn in mir Teile sind, die zweifeln mögen, die meine Intention sabotieren wollen, das Tun ist das wichtigste. Die Yoga-Tradition und die Geschichte vom Quirlen des Milchozeans und dem Tauziehen zwischen Göttern und Dämonen ist unsere eigene Geschichte: Das Ringen um ein höchstes Gut im Leben. 

Bildnachweis Titelbild: © al_la, istockphoto

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Portrait von Monika Schindlbeck

Ich bin Monika Schindlbeck und als Bewegungstrainerin möchte ich Dich dabei unterstützen, gesund, kraftvoll und voller Elan zu leben. Als zertifizierte Yogalehrerin und Pilatestrainerin liebe ich die Abwechslung im Training und schwöre auf Konzentration und Verstehen als Schlüssel zum Erfolg.

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